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Alt 20.01.2010, 20:37   #1
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Digital Art – Wie ein Bild entsteht

Hallo zusammen,


in diesem Thread will ich euch ein wenig was über das erstellen digitaler Gemälde erzählen, so es euch denn interessiert. Dieser Thread wird kein Tutorial sein, noch werde ich jeden Schritt einzeln erklären, das würde den Rahmen zu 100% sprengen.


Kurz zu mir: Ich habe während meines Studiums, was mittlerweile mehr als 10 Jahre her ist auch Kurse besucht die sich mit Zeichnen, Malen und allem was dazu gehört befasst haben. Das ist zu meinem eigentlichen Beruf im Bereich 3D-Design eine wichtige Ergänzung, sei es nun weil man sich so mit Formen und vor allem Anatomie beschäftigt, aber auch um später z.B. eigene Texturen und Grafiken erstellen zu können. Ich muss aber gestehen das ich sehr lange nicht mehr richtig gemalt habe, weswegen dieses Projekt hier auch für mich eine Herausforderung ist.


Für das Anfertigen digitaler Gemälde braucht es zwei wichtige Dinge, ein entsprechendes Programm, und die nötigen Hilfsmittel. Arbeiten tue ich mit Corel Painter 10, was im Gegensatz zu z.B. Photoshop einige wichtige Hilfmittel bietet, so z.B.weit über 300 verschiedene Pinselarten die alle noch mal fein justiert werden können. Außerdem hat es weitere Funktionen die das Zeichnen selbst erleichtern und unterstützen. Grundsätzlich ginge es aber mit jedem soliden Grafikprogramm.


Für das Zeichnen und Malen selbst nutze ich ein Wacom-Board, genauer ein Intuos3 A3. Da diese Größen meist doch recht teuer sind, und sich im Sektor über 500 Euro bewegen würde für den Anfang aber auch ein Kleineres reichen. Ich empfehle aber vom Kauf der ganz Kleinen A6er abzusehen, da dort sehr schnell Ermüdungserscheinungen der Hand auftreten können, was für die Arbeit eher hinderlich ist. Theoretisch kann man auch mit einer Maus malen, ich würde aber davon abraten, zumindest wenn ernsthaftes Interesse besteht. Der Vorteil am Wacom-Board ist der das man einen Stift zur Verfügung hat der zudem Druckempfindlich ist, sprich es entspricht dem normalen Zeichnen auf Papier.


So viel zur Vorgeschichte.


Aller Anfang ist schwer
Grundsätzlich ist das Malen ganz generell keine Wissenschaft, und auch hier ist die Kunst so frei wie das Verständnis dafür. Wie man zu einem Ergebnis kommt, und was man nutzt um dahin zu kommen ist eigentlich jedem selbst überlassen. Es gibt diverse Grundsätze, aber selbst diese sind
nur Richtlinien.


In diesem Fall habe ich mich dazu entschieden von einem Originalbild ein Gemälde anzufertigen, das auch hinterher wie eines aussehen soll. Es geht hier nicht um Fotorealismus! Bevor man mit der eigentlichen Arbeit anfängt sollte man sich mit dem Bild beschäftigen. Jedes Bild hat seine ganz eigene Sprache, Begriffe die es umschreiben. Welche das sind liegt natürlich immer im Auge des Betrachters. Trotzdem sollte man sich damit beschäftigen, denn es definiert am Ende auch in welche Richtung ein Bild gehen soll. Vor allem erfährt man so wo der Fokus des Bildes liegt, oder wo man ihn haben will.


Ich habe mich hier für ein Bild der Padme Amidala entschieden, da es eigentlich einer sehr schönen Szenerie zu Grunde liegt. Hier gibt es auch kein Problem mit dem Fokus, denn der liegt ganz klar beim Charakter selbst. Daher stand für mich auch fest dem Hintergrund so wenig Detail wie möglich zu geben, ihn gar abstrakt zu halten.


Originalbild


Das Bild verstehen
Um ein Gefühl für das Bild, seine Formen, Konturen und wichtigen Merkmale zu erhalten erstellen wir zunächst eine Skizze des Originalfotos. Das hilft uns später bei den eigentlichen Malarbeiten wichtige Fließrichtungen und Formen zu verstehen. Hierbei geht es nicht zwingend um saubere Arbeit, noch muss man sich auf Details versteifen, aber man sollte sie auch nicht ausgrenzen. Details sind sehr wichtig, und wenn eine Robe an einem Punkt eine falte wirft, dann sollte diese auch im späteren Bild zu finden sein.


Ansonsten muss hier jeder für sich den Charakter des Bildes heraus finden, und selbst entscheiden wo er ins Detail geht, oder was für ihn wichtig ist.


Sketch


Farben finden und definieren
Nachdem wir uns nun mit dem Objekt selbst beschäftigt haben müssen wir uns Gedanken über das Farbprofil des Bildes machen. Jedes Bild besteht im Grunde nur aus wenigen Grundfarben und sehr viele Schattierungen eben dieser in dunklere, oder hellere Bereiche. Daher konzentrieren wir uns zunächst auf die Grundfarben. Hier ist es hilfreich sich auf wesentliche Bereiche zu konzentrieren, sprich Haare, Gesicht (Haut), Kleidung und den Hintergrund.

Es ist zudem hilfreich diese Farben schon mal grob an zu testen, um so ein Gefühl dafür zu erhalten ob sie der Farbstimmung des Bildes entsprechen. Hier muss sich noch keine Gedanken über details gemacht werden, oder die tatsächlichen späteren Abstufungen.

Ganz generell gilt das man sich immer von Grob nach Fein arbeiten sollte, wer schon mit Details anfängt, der wird später Probleme bekommen.

Farbtest

Grobe Umrisse und Strukturen
Um mit dem Bild anzufangen ist es meist einfacher zunächst ganz grob Formen und Farben zu platzieren. Hier ist unsere zuvor angelegte Farbpalette sehr hilfreich. Es reicht hier grobe Strukturen zu zeichnen. Hin und wieder sollte man immer wieder mal einen Blick aufs Original wagen, denn Selbstkontrolle ist gerade in einer so frühen Phase wichtig.

Grundsätzlich sollte man sich nie davor scheuen auch einen oder mehrere Schritte zurück zu wagen. Es kommt nicht selten vor das man an einem bestimmten Punkt merkt das der Weg bis hierher, oder auch nur die letzten Schritte nicht das Ergebnis gebracht haben das man selbst gern gehabt hätte. Wer hier die Augen verschließt und die Arbeit scheut, der wird am Ende wenig glücklich werden.

Ich arbeite in diesem Schritt mit einem groben, großen Pinsel mit dicken Borsten, aber das muss jeder für sich wissen.

Grobmalerie


Auf zum Detail
Nachdem wir grobe Strukturen gemalt haben, und in ungefähr wissen wie unsere Farben verteilt sein werden können wir uns nun daran machen das grobe Gemälde in Form zu bringen. Auch hier gehen wir noch nicht ins Detail, jetzt geht es viel mehr darum Formen zu definieren und aus der Unordnung Ordnung zu machen.

Wie man das hier umsetzt liegt wieder bei jedem selbst. Ich nutze hier meist viele verschiedene Pinsel. Einzelne Bereiche male ich mit einem Borstenpinsel komplett neu, in anderen verwische ich vorhandene Farben nur, dann nutze ich Öl-, und Wasserverläufe, und Kanten betone ich mit einem feinen Airbrush. Gerade hier führen viele Wege nach Rom, weswegen es auch kein Patentrezept gibt. Wichtig ist das man anfängt Bereiche und Formen abzugrenzen, und erste Schatten und helle Elemente zu setzen.

In diesem Schritt habe ich nur sehr wenig am Hintergrund gemacht, denn dieser soll uns ab hier nur noch bedingt interessieren.

Detailarbeit

Detailarbeit
Dieser Schritt ist nun der Vorletzte, wobei ich betonen will das diese Schritte natürlich nur grob sind, und da teils schon viel Detailarbeit drin steckt. Generell sollte man sich auch immer die notwendige Zeit nehmen, es bringt nichts so schnell wie irgendwie möglich fertig werden zu wollen. So ein Gemälde braucht seine Zeit, und Hast ist da der schlechteste Weggefährte.


In diesem Schritt geht es wirklich ans Eingemachte. Hier werden alle Formen genau definiert, Schatten und Licht bestimmt, und Farben richtig angepasst. Man sollte immer kleine Bereiche anpassen, aber nie das Gesamtbild aus den Augen verlieren. Licht und Schatten sollten stets im Wechsel agieren, und oftmals muss man mehrere male an einer einzigen Stelle malen um das richtige Ergebnis zu erzielen.

Spätestens hier wird man seine Farbpalette aufstocken müssen, ich habe hier mit über 100 verschiedenen Farben gearbeitet. Daneben sollte man Pinselarten und Formen variieren und dem Nutzen anpassen, auch die Durchsichtigkeit und den Fluss. Beim Malen sollte man nie gegen den Verlauf malen, sondern Formen und Richtungen folgen um ihnen so das richtige Aussehen zu geben.


Bild

Final Work
Leider habe ich diesen Teil noch nicht fertig, da er wesentlich länger dauert als der bisherige, grundsätzlich gut doppelt so lange, je nachdem wie sehr man ins Detail gehen will. Hier geht es nun darum einzelne Haarsträhnen heraus zu stellen, das Gesicht und seine Formen zu verfeinern, die Augen auszuarbeiten, und den Händen ein paar Details zu spendieren. Dieser Schritt ist aber nicht zwingend wichtig, es kommt immer drauf an wo man mit seinem Bild hin will.

Ich werde diesen Schritt in jedem Fall noch nachliefern sobald ich dazu komme. Trotzdem hoffe ich das euch das Ganze bis hierher schon gefallen hat, und ihr ein wenig über das Thema erfahren konntet. Genauso werden auch Artworks, oder andere Zeichnungen angefertigt, mal mit mehr Details, mal mit weniger.

Bis hierher habe ich übrigens knappe 3 Stunden gebraucht.

Hier noch ein paar Screenshots mit Details, oder Vergleichen:


Detailansicht
Schritte


Vergleich


Derzeitiges Endresultat: Bild

In diesem Sinne,

Genesis
 
Alt 21.01.2010, 11:35   #2
Gast
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AW: Digital Art – Wie ein Bild entsteht

Danke für den interessanten Einblick das werde ich mir in aller Ruhe sicher nicht nur einmal zu Gemüte führen ^^
 
Alt 22.01.2010, 11:40   #3
Gast
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AW: Digital Art – Wie ein Bild entsteht

http://forums.wheel-of-games.com/sho...d.php?t=124656

Und hier auch die original Quelle
 
Alt 22.01.2010, 11:52   #4
Gast
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AW: Digital Art – Wie ein Bild entsteht

Die im Übrigen auch von mir ist, womit es durchaus mein Recht ist das auch hier zu posten!
 
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